Lebensmittel-Handel: Big Player mit feinen Unterschieden

Die Vertriebslinien der führenden Filialisten bieten individuelle Sortimente. Die strategischen Prinzipien spiegeln die jeweilige Organisationsstruktur. Wenige Unternehmen beherrschen den Markt: Die Top 10 des deutschen Lebensmittelhandels teilen sich 87 Prozent des Umsatzes. Ein Überblick.
 

Die Supermärkte

Edeka ist der größte Lebensmittelhändler des Landes. Mehr als die Hälfte des Umsatzes von rund 50 Milliarden Euro erreicht die Gruppe durch die Belieferung selbstständiger Kaufleute, die Edeka-Supermärkte oder -Verbrauchermärkte betreiben. Die Edeka Zentrale AG ist eine reine Dienstleistungsgesellschaft für die sieben Regionalgesellschaften, in denen der Verkaufsumsatz erzielt wird. Der Erfolg beruht in hohem Maße auf der dezentralen Struktur, was zu individuellen Lösungen an jedem Standort führt. Die Nummer zwei ist die Rewe Group. Sie betreibt einen größeren Anteil der Filialen in Eigenregie. Auch Rewe ist in Regionalgesellschaften unterteilt. Tengelmann will das Supermarktgeschäft 2015 abgeben. Tegut gehört zur Schweizer Migros. Im Norden zählen Bartels-Langness und Bünting zu den klassischen Supermarktbetreibern und -lieferanten. Die Läden heißen allerdings Combi, Familia, Minipreis, Ihre Kette oder Coma. Supermärkte sind Lebensmittelgeschäfte mit eeniger als 1500 Quadratmetern, größere nennt man Verbrauchermärkte.


Der Discount

Rund 40 Prozent der Umsätze mit Fast Moving Consumer Goods fließen in die Kassen der Discounter. Die Schwester-Unternehmen Aldi Nord und Aldi Süd, führen das Feld an. Ihre Gründer, die Brüder Albrecht, haben das Discount-Prinzip erfunden. Effektive Prozesse und Kostenstrukturen ermöglichen die Preisführerschaft. Standardisierte Läden mit begrenzten Sortimenten werden multipliziert, Entscheidungen zentral getroffen. Die Schwarz-Gruppe ist mit Lidl ähnlich erfolgreich. Der zweite im Markt vergrößert aktuell die Läden sukzessive von 800 bis 1000 Quadratmeter auf 1300. Der zur Edeka-Gruppe gehörende Discounter Netto bietet ein umfassenderes Sortiment mit 4000 Artikeln und mehr Marken an als die Mitbewerber. Penny ist Teil der Rewe Group und wird oft als Soft-Discounter bezeichnet. Die Standorte, Prozesse und Sortimente sind etwas weniger einheitlich gestaltet. Mit neuen Konzepten, Eigenmarken und Marketingideen wird Penny seit einiger Zeit überarbeitet. Norma ist der kleinstedieses Vertriebstyps. Es werden vergleichsweise viele regionale Produkte sowie Postenware angeboten. Alle Discounter außer Netto sind auch im Ausland mit Filialen vertreten.


Drogeriemärkte

Das Wettbewerbsfeld der Drogerien ist überschaubar. Angeführt wird es von dm-Drogeriemarkt. Die von Gründer Götz Werner eingebrachte anthroposophische Kultur prägt das Unternehmen stark. Zum Erfolg haben unter anderen die Eigenmarkenstrategie sowie die Dauerpreisorientierung beigetragen. Während dm die Republik vom Süden her aufrollt, expandiert Rossmann von Norden kommend und setzt auf eine Aktionspreisstrategie. Der dritte große im Bunde ist der Ulmer Filialist Müller. Neben den typischen Drogeriewaren gibt es hier Spielwaren und Büroartikel, Haushaltswaren sowie eine Multimediaabteilung. Das Parfümerie-Sortiment steht im Wettbewerb zu Douglas. Im Großraum Hamburg behauptet sich das Familienunternehmen Budnikowsky als einziger Drogeriefilialist ohne nationale Verbreitung mit 170 Märkten. Außer Budni engagieren sich die Drogisten in etlichen ausländischen Märkten. Rossmann, Müller und Douglas betreiben einen eigenen Online-Shop.

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Die Großfläche

Vollsortimenter mit mehr als 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche gelten als Großfläche. Sie bieten ein äußerst umfangreiches Angebot zwischen 30 000 und 100000 Artikeln. Neben Lebensmitteln gehört ein großes Nonfood-Sortiment zum Standard. Die Zusammensetzung ist in der Regel auf die regionalen Bedürfnisse abgestimmt. Jeder Standort wird individuell geführt. Das inhabergeführte saarländische Unternehmen Globus hat sich auf große SB-Warenhäuser mit bis zu 30 000 qm spezialisiert. Die Standorte auf der Grünen Wiese haben ein sehr großes Einzugsgebiet. Globus ergänzt sie mit eigenen Tankstellen. Die Metro-Group ist mit rund 300 Real-Märkten in dem Segment aktiv. Und zur Schwarz-Gruppe gehört der sogenannte Großflächen-Discounter Kaufland, dessen Häuser überwiegend etwas kleiner sind. In der Rewe Group gelten Rewe Center als Großfläche. Auch Edeka ist mit etlichen E-Centern dabei. Alle Betreiber ergänzen das eigene Angebot oft durch eine Vorkassenzone, die an Bäcker, Metzger, Zeitungsläden und andere Selbstständige vermietet werden.


Alles Bio

Der Bio-Fachhandel ist längst nicht so konzentriert wie der konventionelle Lebensmittelhandel. Die Filialisierung geht von einer Handvoll erfolgreicher Bio-Großhändler aus. Dennree betreibt rund 130 Denn’s Biomärkte und beliefert 1300 andere Kunden. Alnatura kommt bald auf 100 Filialen. Darüber hinaus werden die eigenen Produkte auch in tausende Läden von dm, Budni, Globus, Tegut, Hit und anderen geliefert. Auch Basic expandiert mit eigenen Läden. Ein reiner Bio-Großhändler ist Weiling. Der größte Bio-Händler mit umfangreichem Bio-Sortiment und gleichzeitig auch konventionellen Produkten dürfte Tegut sein. Alle genannten Unternehmen verfolgen auch kulturell eine Bio-Philosophie. Eine entsprechende Grundüberzeugung dürfte sich bei den Beschäftigten wiederfinden. Große Anteile des Marktes für Bio-Lebensmittel laufen allerdings über die Kassen der klassischen Einzelhändler, wo Bio längst zum Standard gehört, das Sortiment sich aber  berwiegend auf die Schnelldreher beschränkt.

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Im Baumarkt

Die führenden Baumarkt-Unternehmen sind eng mit den Food-Einzelhändlern verbunden. Der Marktführer Obi ist ein Tengelmann-Unternehmen. Die Baumärkte werden über Franchise-Partner betrieben. Mit rund 600 Standorten und 43000 Mitarbeitern in Europa erreicht Obi knapp 7 Milliarden Euro Umsatz. Zur Rewe Group gehören Toom-Baumärkte ebenso wie B1-Gartencenter. Und Globus betreibt sogar mehr Baumärkte als SB-Warenhäuser. Die hoch im Norden bekannten Plaza Bau- und Gartencenter gehören zu Coop. Für die Nummer zwei im Do-it-yourself-Markt, Bauhaus, ist dies allerdings das Kerngeschäft. Die Holding ist in der Schweiz zuhause, Deutschland aber der wichtigste Markt. Auch Hornbach, der viertgrößte Betreiber, konzentriert sich auf dieses Fachgebiet.

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