E-Food schafft Jobs


Klassische Händler setzen auf E-Commerce
 
Wer Neues schaffen möchte, aber zugleich die Sicherheit eines großen Unternehmens sucht, für den tun sich im Handel neue Perspektiven auf. Die nächste Welle digitaler Shopping-Welten rollt auf den Markt zu: E-Food. Etliche Handelsunternehmen basteln an virtuellen Supermärkten, die nicht nur Pasta und Wein anbieten, sondern die breite Produktpalette der Frische.
 
Zwar gilt der Verkauf von Milch, Fleisch und Salat über das Internet nach wie vor als unrentabel. Denn die Preise – und damit auch die Spannen für den Händler – sind in den klassischen Supermärkten und beim Discounter extrem niedrig. Und die Kunden sind nicht bereit, für den zusätzlichen Service, die Zusammenstellung der Ware sowie deren Verpackung und Auslieferung, einen angemessenen Preis zu bezahlen. Dieser müsste bei kühlpflichtigen Produkten deutlich höher angesetzt werden als die üblichen Paketkosten.
 
Doch nicht zuletzt durch die Ambitionen von Amazon mit Amazon Fresh prescht auch der stationäre Handel vor. Damit die klassischen Lebensmittelhändler keine Marktanteile verlieren, versuchen sie, das Geschäft selbst aufzubauen. Die Rewe Group hat den E-Commerce zum strategischen Ziel erklärt und investiert kräftig. In etlichen Ballungszentren hat der Filialist eine eigene Zustellflotte mit Kühlfahrzeugen angeschafft. Und im Unternehmensbereich Rewe Digital gibt es hunderte Mitarbeiter, die daran arbeiten, Shop-Konzepte weiter voranzutreiben.
 
Andere Händler wie etwa Globus und Real liefern E-Food nicht aus, sondern experimentieren mit Drive-In-Stationen. Edeka betreibt diverse Plattformen und hat etwa am Flughafen München eine Abholstation mit gekühlten Boxen eingerichtet. Der von dem norddeutschen Handelsunternehmen Bünting betriebene Online-Shop Mytime liefert bundesweit über DHL.

 

Klassische Händler setzen auf E-Commerce. Das bringt das Aufgabenspektrum typischer Start-ups in etablierte Konzerne

 
Die praktischen Herausforderungen sind groß: Bei Wurst oder Tiefkühlkost ist ein Lieferzeitraum von mehreren Tagen undenkbar. Viele Lebensmittel, wie etwa Bananen oder Avocados, sind extrem druckempfindlich. Und wohin mit dem Paket, wenn der Kunde bei Anlieferung nicht zuhause ist?
 
Dementsprechend breit ist die Palette der Aufgaben, die rund ums E-Commerce-Geschäft klassischer Händler entstehen: Die Entwicklung und kontinuierliche Verbesserung einer userfreundlichen Shop-Oberfläche ist dabei der kleinere Teil. Die rückwärtigen Prozesse und dazugehörigen Kosten in den Griff zu bekommen, ist die größere Herausforderung. Das reicht vom richtigen Sortiment bis zur Logistik. Darüber hinaus sind im Marketing kreative und umsatzgenerierende Ideen gefragt. Denn nur wenn die Auslastung der neu geschaffenen Strukturen stimmt, wird aus dem Vertrieb ein lohnendes Geschäftsmodell.
 

Welche Aufgabe hat eigentlich ...

 
Ein Category oder Sales Manager stellt das Sortiment für den Shop zusammen. Dazu gehören auch Aktionen und Preise. Umsatz- und Marktanalysen helfen, die Produktauswahl aktuell zu halten und neue Warengruppen aufzubauen.
 
Ein E-Mail Marketing Manager betreut E-Mail-Kampagnen von der Planung über die Umsetzung bis zum Reporting. Bei der Zusammenstellung der Inhalte zählt auch die Kooperation mit den Kollegen aus anderen Teams.
 
Ein CRM Manager analysiert und segmentiert Kundendaten mit dem Ziel, die Kundenansprache über die verschiedenen Kanäle hinweg zu optimieren und so gezielte Kaufimpulse zu schaffen. Sowohl Customer-Relationship-Management-Kampagnen als auch personalisierte Ansprachen sind möglich.
 
Ein Community oder Social Media Manager postet über Netzwerke wie Facebook, Instagram, Youtube usw. Im Fokus steht sowohl die aktive Platzierung von Themen wie auch die Reaktion auf Kundenanfragen.
Ziel ist die strategische Weiterentwicklung der Kommunikation.
 
Ein Supply Chain Manager arbeitet an der Weiterentwicklung der gesamten Lieferkette – von den Herstellern oder Lieferanten über Lagerhaltung und Kommissionierung, die interne und externe Logistik bis zum Kunden. Der Umgang mit Kennzahlen sowie Systemen zur Planung wie auch Nachverfolgung gehören dazu.
 
Ein Payment Manager hält die Bezahlmethoden des Shops aktuell und baut sie weiter aus – etwa durch Einführung von Paypal oder Barzahlung im Online-Shop. Prozesse der Bonitätsprüfung, des Mahnwesens sowie Betrugsprävention sind inbegriffen.
 
Ein Knowledge Manager führt Markt- und Wettbewerbsanalysen durch und entwickelt daraus Empfehlungen für den eigenen Shop und die E-Commerce-Strategie des Unternehmens.

Autorin: Silke Biester